Ausschnitt aus einem Artikel der ANF vom 21.2.2026
Die PYD-Vertreterin Newroz Haj Hussein sagte zum Abschluss der Demonstration: „Kriege im Nahen Osten beginnen nicht immer mit Bomben. Oft beginnen sie mit Schweigen, mit politischem Schweigen, mit diplomatischem Schweigen, mit einem Schweigen, das zusieht – und nichts sagt. Als Rojava angegriffen wurde, wusste die internationale Gemeinschaft, was passiert. Verträge wurden gebrochen, Absprachen wurden verletzt, Grenzen wurden geschlossen, Städte wurden bedroht. Das war kein Versehen, kein Unwissen, es war eine Entscheidung. Man wollte testen: Wie stark ist der kurdische Widerstand?Wie lange hält Rojava durch? Kann man die kurdischen Errungenschaften einfach beseitigen? Aber sie haben sich verrechnet. Rojava ist kein Experiment, Rojava ist ein Volk mit Würde!
Während einige schwiegen, haben andere aktiv gehandelt. Regionale Mächte arbeiteten zusammen, mit einem klaren Ziel: die politische Existenz der Kurdinnen und Kurden zu schwächen. Es ging nicht um Stabilität oder Terrorbekämpfung, es ging um Macht, und darum, die kurdische Selbstverwaltung zu beenden. Kobanê wurde isoliert, Wege wurden blockiert, wirtschaftliche und humanitäre Zugänge wurden geschlossen. Das war nicht nur militärischer Druck, es war der Versuch, eine Gesellschaft zu erschöpfen.
Die Welt hat das gesehen und sie hat geschwiegen. Aber der Zusammenbruch kam nicht, denn es gab etwas Stärkeres als ihre Pläne: Den Widerstand in Rojava, in Bakur. in Başûr. in Rojhilat und hier. Der Widerstand war nicht nur militärisch, er war politisch, diplomatisch und gesellschaftlich. Es war organisiert. Und plötzlich änderte sich der Ton. Aus Schweigen wurden vorsichtige Erklärungen. Aus geheimen Gesprächen wurden öffentliche Kontakte. Nicht aus Moral, sondern weil der Widerstand nicht gebrochen werden konnte. Als die Kurdinnen und Kurden nicht besiegt wurden, konnte man sie nicht länger ignorieren. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde über Rojava gesprochen, über die Kurdinnen und Kurden wurde gesprochen.
Aber, Anerkennung ist nicht gleich Garantie, Worte sind nicht gleich Sicherheit. Ja, man kann die Kurdinnen und Kurden nicht mehr ausschließen, aber sind sie gleichberechtigte Partner? Gibt es verbindliche Garantien? Gibt es echten Schutz? Noch nicht. Und genau hier stehen wir heute, nicht am Anfang, nicht am Ende, sondern an einer historischen Schwelle. Zurückgehen ist unmöglich, Vorwärtsgehen ist auch nicht automatisch. Die erste Gefahr ist falsche Ruhe, denn weniger Angriffe bedeuten nicht Frieden. Ohne Garantien bleibt jede Ruhe zerbrechlich. Die zweite Gefahr ist der blinde Glaube an externe Mächte. Interessen ändern sich, Allianzen wechseln, nur unsere eigene Einheit bleibt. Die dritte Gefahr ist innere Spaltung. Ein Volk, das dem Krieg standhält, darf nicht an internen Konflikten zerbrechen. Einheit ist unsere Stärke, Einheit ist unsere Sicherheit, Einheit ist unsere Zukunft!
Was wir jetzt brauchen, ist mehr als Hoffnung. Wir brauchen klare gemeinsame Prinzipien. Wir brauchen politische Koordination. Wir brauchen die Beteiligung von Frauen, von Jugendlichen und von der Zivilgesellschaft. Wir feiern keinen Krieg.Wir verherrlichen keine Gewalt. Wir wollen Frieden. Aber Frieden ist kein Geschenk. Frieden ist ein Recht, und Rechte bekommt man nicht durch Schweigen, sondern durch Standhaftigkeit.
Wir sagen: Wir lassen uns nicht auslöschen. Wir lassen uns nicht spalten. Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen. Von Hamburg bis Rojava: Der Widerstand lebt. Die Würde ist nicht verhandelbar und Freiheit ist ein Recht aller Völker.“